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War das das größte Kaufsignal des Jahres für Aktien?

Chefanalyst Bo Bejstrup Christensen geht davon aus, dass der Aktienmarkt seinen endgültigen Wendepunkt erreicht haben kann.

Die Märkte sind nervös. Wegen China. Wegen der Schwellenländer generell. Wegen der niedrigen Rohstoffpreise. Wegen der Verluste der amerikanischen und europäischen Banken, die ihre Fähigkeit eingrenzen, der restlichen Wirtschaft Kredite bereitzustellen. Wegen der niedrigen Inflation. Die Sorgen sind vielfältig. Die Liste ist lang. Kann eine einzige Wirtschaftskennzahl all diese Sorgen auslöschen? Unsere Antwortet lautet...fast!

Die Kennzahl, auf die wir hinweisen, ist der amerikanische ISM-Index im verarbeitenden Gewerbe. Jeden Monat stellt das Institute for Supply Managers (ISM) in den USA Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie ein paar einfache Fragen: Füllen sich Ihre Auftragsbücher? Steigt Ihre Produktion? Stellen Sie mehr Mitarbeiter ein? Die Ergebnisse werden in einer Zahl zusammengefasst - und wenn diese Zahl über 50 liegt, ist der Industriesektor im Aufwind. Liegt die Zahl unter 50, weist das auf einen Rückgang hin. Steigt die Zahl, steigt das Wachstum. Geht die Zahl zurück, sinkt das Wachstum.

Diese Befragung nimmt das ISM seit 1948 jeden Monat vor, und diese eine Kennzahl steht Pate für unzählige ähnliche Untersuchungen im Rest der Welt. In den USA wird diese Zahl am ersten Werktag des Monats veröffentlicht. Das bedeutet, wir haben gerade das Ergebnis für Februar erhalten - und die Aktienmärkte haben es richtig gut angenommen, was vielleicht etwas verwunderlich ist, da der Index nach wie vor unter der Marke von 50 liegt. Wie schon seit Oktober. Aber im Februar ist er gestiegen - mehr als erwartet. Und das hatte die richtigen Ursachen. Die Auftragsbücher füllen sich. Die Produktion zieht an. Und die Lagerbestände werden allmählich abgebaut. Die Zinsen stiegen. Aktien stiegen. Der Dollar stieg.

Eine Kennzahl sticht hervor
Aber warum ist der ISM-Index gerade jetzt so wichtig? Viele – darunter der Autor - würden ja darauf hinweisen, dass eigentlich die Dienstleistungsbranche der wichtigste amerikanische Wirtschaftssektor ist. Unter 10% der amerikanischen Beschäftigten sind im Industriesektor tätig, und dieser Sektor macht unter 15% der jährlichen Gesamtwirtschaftsleistung der USA aus. Außerdem sagt diese Kennzahl auch nichts Richtiges über die Zukunft aus, sondern nur darüber, wie die Lage in der Vergangenheit war.

Nichtsdestotrotz spielt der ISM-Index aus zwei primären Gründen eine zentrale Rolle:

Erstens sind die USA weiterhin die größte Volkswirtschaft der Welt und ihr Industriesektor ist sehr global. Deshalb ist der ISM-Index die frühste und zuverlässigste Kennzahl für den Gesundheitszustand sowohl der amerikanischen als auch der globalen Wirtschaft. Oder anders ausgedrückt: Seit 1948 liegt die durchschnittliche monatliche Kursrendite (exkl. Dividenden und Rückkauf) von amerikanischen Aktien bei 0,7%, was den berühmten durchschnittlichen 8% und mehr pro Jahr entspricht. Aber in den Monaten, in denen der ISM-Index fällt, liegt die durchschnittliche Kursrendite nahe null, während sie bei einem Anstieg durchschnittlich 1,3% beträgt. Man kann diese Wirtschaftsphasen auf verschiedene Weise einteilen und wir müssen einräumen, dass der ISM-Index nicht der perfekte Indikator ist. Stattdessen berufen wir uns auf die Ergebnisse aus der Vergangenheit, um folgende Pointe zu unterstreichen: Ein steigendes Wachstum (ein ISM-Anstieg egal von welchem Niveau) ist positiv für riskante Vermögenswerte und umgekehrt.

Die Herausforderung besteht selbstverständlich darin vorherzusehen, in welche Richtung sich der ISM-Index bewegen wird. Das ist genau das, womit wir uns täglich beschäftigen. Und gerade jetzt ist das so relevant wie schon lange nicht mehr, da es der globale Industriesektor momentan schwer hat - so schwer, dass sich viele Menschen in den letzten Monaten auf diese Daten berufen und behauptet haben, dass wir uns bereits in einer Rezession befinden. Die Finanzmärkte haben das Elend zu einem gewissen Grad vorweggenommen und eine gewisse Wahrscheinlichkeit für ein niedriges Wachstum oder eine Rezession eingepreist. Anders ausgedrückt: Die Bewertungen sind gesunken. Jetzt sieht es plötzlich danach aus, dass diese Angst nicht berechtigt war, da sich stattdessen ein Wendepunkt abzeichnet. Schön und gut, das Wachstum ist niedrig, aber es scheint zumindest seine Talsohle erreicht zu haben. Und steigt vielleicht sogar wieder. Daher sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession und somit sollten die Kurse wieder steigen.

Die negativen Effekte dauern nicht ewig
Zweitens spielt der Industriesektor für die Unternehmen, in die wir investieren, eine viel größere Rolle. Wenn man den amerikanischen Aktienmarkt betrachtet, machen Industrieunternehmen über 50% der Gewinne aus und unterscheiden sich daher stark von der Gesamtwirtschaft.

Der Industriesektor leidet sowohl unter der stärkeren Währung und den Auswirkungen der niedrigen Ölpreise auf Investitionen als auch unter der schwachen Nachfrage auch China und den anderen Schwellenländern. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass all diese Dinge nicht ewig dauern können. Irgendwann passen sich die Unternehmen der stärkeren Währung an - und wenn das geschieht, schauen sie wieder zuversichtlicher in die Zukunft und finden anderswo neue Geschäftsmöglichkeiten. Daher ist ein besserer ISM-Index ein Zeichen dafür, dass die Gewinne wieder steigen können - und schon sieht die Zukunft etwas rosiger aus.

Wir sind noch nicht aus der Gefahrenzone. Insbesondere die politischen Risiken stehen ganz oben auf der Tagesordnung mit der bevorstehenden Abstimmung in Großbritannien, der Flüchtlingskrise in Europa und der Situation im Nahen Osten. Wir behaupten nicht, dass der ISM-Index ab jetzt gradlinig steigt. Und auch nicht die Aktienkurse. Aber - und das sagen wir, ohne diese großen politischen Begebenheiten kleinzureden - es wird immer solche Herausforderungen geben. Denken Sie an den Kalten Krieg. Denken Sie an Nordkorea. Denken Sie daran, wie lange der Nahe Osten schon ein Krisenherd ist. Letztendlich gewöhnt sich die Welt an diese Herausforderungen und deshalb sind es die Kennzahlen, die zählen. Und eine der allerwichtigsten ist der ISM-Index.

Wir setzen weiterhin auf Aktien
Unsere Geschichte ist einfach: Die Finanzmärkte haben in den ersten Monaten des Jahres überreagiert. Deshalb geben die Bewertungen ein verzerrtes Bild ab. Darüber hinaus werden das Bankensystem und der Immobilienmarkt das Wachstum in den USA stützen. Und wenn wir allmählich Klarheit über die Verluste im Energiesektor haben, sich die Firmen an den starken Dollar gewöhnt haben und sich der größte Schock in Bezug auf China gelegt hat, kommt das Gewinnwachstum zurück.

Addieren Sie diese zwei Dinge - attraktivere Bewertungen und die Aussicht auf ein moderates Gewinnwachstum - und schon haben Sie ein positives Szenario für globale Aktien.

2016 ist aus vielen Gründen ein schwieriges Anlagejahr, aber wenn wir Recht behalten, ist das Schlimmste jetzt endgültig überstanden. Das ist die Geschichte, die wir erzählen. Und das ist die Geschichte, die der ISM-Index bekräftigt. Deshalb halten wir an den Aktien fest, die wir zu Jahresbeginn im Zuge der Erhöhung unseres Aktienanteils gekauft haben. Da wir mit einer weiteren Erholung des Industriesektors in den USA rechnen, könnte es unter anderem interessant sein, eine Aufstockung von zyklischen US- Aktien zu erwägen.

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