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Aktien bezahlen den Preis für unsere große Unsicherheit

Die weltweite wirtschaftspolitische Unsicherheit liegt auf Rekordhöhe - und dies erklärt mit Blick auf die Entwicklung des Aktienmarkts eigentlich einiges, meint Danske Banks Investmentstratege Lars Skovgaard Andersen.

Unsicherheit ist tödlich - auch für die Aktienmärkte. Unternehmen und Privatpersonen brauchen ein sicheres Fundament und Zuversicht in die Zukunft, um den Schritt zu wagen und sich ein Haus oder ein Auto zu kaufen, in eine neue Maschine für die Firma zu investieren oder zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.

Angst und Unsicherheit können somit einen Konjunkturaufschwung und Kursanstiege am Aktienmarkt abwürgen - und gerade jetzt befindet sich die globale Unsicherheit auf Rekordniveau. Das zeigt ein Index, der die globale wirtschaftspolitische Unsicherheit misst - der sogenannte Global Economic Policy Uncertainty Index.

Der Irrsinn ergibt plötzlich einen Sinn

Der Unsicherheitsindex wurde von einer Reihe von Ökonomen und Studenten aus der amerikanischen Universitätswelt entwickelt und basiert darauf, wie häufig ausgewählte Medien über wirtschaftspolitische Unsicherheit schreiben. Der Index geht zurück bis Anfang 1997 und lag zu keinem Zeitpunkt so hoch wie heute - auch nicht während der Finanzkrise 2008/2009 oder der europäischen Schuldenkrise ein paar Jahre später.

Die große Unsicherheit ist paradoxerweise aber auch ein bisschen beruhigend, denn dann ergibt der Irrsinn mit Blick auf die Entwicklung des Aktienmarkts im letzten Jahr plötzlich einen Sinn. Hier kam es zu ungewöhnlich hohen Schwankungen und beträchtlichen Kursrückgängen, obwohl die Weltwirtschaft im Grunde genommen in einem recht guten Zustand ist und die Unternehmen eine Menge Geld verdienen. Unmittelbar widersprach die Entwicklung dem gesunden Menschenverstand, aber die große Unsicherheit ist die Variable, die die Gleichung aufgehen lässt. Sie erklärt, warum sich die Märkte so schräg entwickelt haben.

Wovor haben wir Angst?

Als Anleger werden wir auf mehreren Ebenen von der Unsicherheit beeinflusst: teilweise in Bezug auf unsere eigene Risikobereitschaft, wenn wir investieren, und teilweise in Bezug darauf, wie sich die wirtschaftliche Unsicherheit auf die Risikobereitschaft und die Gewinne der Unternehmen auswirkt.

Aber was macht uns so nervös?

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist natürlich die alles beherrschende Sorge. Andere Ursachen für die Nervosität sind aber auch die Unsicherheit über die weltweite Zinsentwicklung, Großbritanniens Brexit und die populistische Regierung in Italien, die auf Kollisionskurs mit der EU ist. Insgesamt kristallisiert sich aus den verschiedenen Unsicherheitsfaktoren eine große übergeordnete Angst heraus, nämlich ob wir uns auf direktem Weg in eine Rezession befinden.

Gleichzeitig kann man behaupten, dass wir mit der Unsicherheit noch eine Rechnung offen hatten. In den letzten Jahren haben wir die Unsicherheit wohl oder übel vor uns hergeschoben und angehäuft.

Zentralbanken und Trump im Fokus

Im Anschluss an die Finanzkrise versuchten die Zentralbanken, die globale Unsicherheit einzudämmen und die Wirtschaft mit starken Zinssenkungen anzukurbeln und zur Stabilisierung des Finanzsektors beizutragen. Seither sind die Zinsen jahrelang künstlich niedrig gehalten worden und haben dazu beigetragen, die wirtschaftliche Unsicherheit in Schach zu halten. Doch nun erleben wir eine schrittweise Normalisierung der Geldpolitik, die große Unsicherheit auslöst. Denn welche Bedeutung wird die Normalisierung für die Weltwirtschaft haben?

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016 ist ein weiterer Faktor, der uns heute viel Unsicherheit beschert. Er hat dem Begriff „wirtschaftspolitische Unsicherheit“ eigenhändig neue Dimensionen verliehen, indem er letztes Jahr als chaotisches Meisterstück großen Teilen der Welt den Handelskrieg erklärte.

Anstieg am wahrscheinlichsten

Wirtschaftspolitische Unsicherheit ist unterdessen eine vergängliche Größe. Sie kann ganz plötzlich entstehen und mit einem Fingerschnippen wieder verschwinden. Deshalb lässt sie sich nur schwer einkalkulieren, wenn man als Anleger eine Wahl zwischen Anlageklassen und Sektoren treffen muss.

Unser Hauptszenario ist jedoch, dass wir uns momentan annähernd auf dem Tiefpunkt befinden und in die Aktienkurse aktuell viel Negatives eingepreist ist. Die Lage kann sich natürlich immer verschlechtern, aber wir halten in der jetzigen Situation einen Anstieg für wahrscheinlicher als einen weiteren Rückgang.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China bereitet weltweit das größte Kopfzerbrechen. Hier erwarten wir im Laufe der kommenden drei bis sechs Monate eine Einigung zwischen den Parteien. Zugleich sind wir zuversichtlich, dass die Zentralbanken mit den Zinsanhebungen von nun an behutsam voranschreiten, so dass sie die Finanzmärkte nicht unnötig strapazieren und das Wirtschaftswachstum abwürgen.

Übergewichtung in Aktien bleibt bestehen

Insgesamt halten wir deshalb in unseren Portfolios an einer Übergewichtung in Aktien und einer Untergewichtung in Anleihen fest. Angesichts der aktuellen Bewertungen und unserer künftigen Erwartungen sind für uns Aktien momentan einfach attraktiver als Anleihen. Als Anleger sollte man sich von der Handelskriegrhetorik nicht unnötig abschrecken lassen.

Wir sind aber auch darauf vorbereitet, dass die Unsicherheit noch lange andauern kann. Deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf sogenannte Qualitätsaktien, die in unruhigen Zeiten üblicherweise robuster sind. Gleichzeitig behalten wir im Kopf, dass Anleihen ebenfalls einen wichtigen Teil eines robusten Investmentportfolios ausmachen. Für alle Fälle!

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte kontaktieren Sie stets einen Finanzberater, wenn Sie eine Investition in Erwägung ziehen, und klären Sie ab, ob eine bestimmte Anlage zu Ihrem Anlageprofil passt. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Rendite.

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