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China ist 2018 für Anleger der große Joker

Das neue Jahr sieht für Anleger vielversprechend aus, aber schlechte Nachrichten aus China könnten die Finanzmärkte ins Wanken bringen.

Wir erwarten, dass sich der Konjunkturaufschwung 2018 fortsetzen wird. Deshalb beginnen wir das neue Jahr mit einer Übergewichtung in Aktien und einer entsprechenden Untergewichtung in Anleihen. Die Finanzmärkte befinden sich allerdings schon lange im Aufwärtstrend, und je länger die Hausse andauert, desto empfindlicher reagieren Anleger auf schlechte Nachrichten, die auf ein Ende des Aufschwungs hindeuten können.

Insbesondere China kann 2018 für Unruhe und Nervosität unter den Anlegern sorgen. Das ist sowohl wirtschaftlichen als auch geopolitischen Gegebenheiten geschuldet. Lassen Sie uns mit Letzteren beginnen:

Spannungen zwischen China und den USA
Auf dem großen Parteikongress im Oktober schrieb sich Präsident Xi Jinping selbst als Chinas mächtigster Führer seit Mao Zedong in die Geschichtsbücher ein und sendete ein deutliches Signal an den Rest der Welt - insbesondere an die Amerikaner. Xi kündigte an, dass es nun an der Zeit ist, dass China eine zentrale Rolle bei internationalen Angelegenheiten einnimmt und das Land 2050 eine führende Weltmacht sein will.

Für uns als Anleger bedeutet das, dass die geopolitischen Risiken zunehmen werden. Chinas Selbstsicherheit als Großmacht kann beispielsweise die Spannungen in Bezug auf Taiwan und das Südchinesische Meer erhöhen, wo die USA ebenfalls politische Interessen haben. China macht zunehmend von seiner wirtschaftlichen Stärke Gebrauch, um politische Ziele in der Region zu erreichen. Sowohl informelle als auch formelle Beziehungen werden die asiatischen Länder immer enger zusammenschweißen.

Je größer die gegenseitige Abhängigkeit wird, desto höher ist das Risiko für Spannungen zwischen den USA und China. Letzten Endes können die USA und China in Bezug auf den Umgang mit Nordkorea aneinandergeraten, wo die Chinesen vor allem an einem stabilen Nordkorea interessiert sind. Die wirtschaftlichen und humanitären Opfer eines Regierungssturzes oder der Durchführung einer Militäraktion durch die USA sind kolossal und wären eher ein chinesisches als ein amerikanisches Problem.

Wachstumssorgen und Kreditflut
Was die Wirtschaft anbelangt, halten wir China für einen bedeutenden Risikofaktor im Jahr 2018. Wir erwarten, dass sich das Wirtschaftswachstum in China weiter abkühlen und 2018 bei 6,3 % landen wird. Das ist nichtsdestotrotz immer noch ein starkes Wachstum, das uns an sich keine Sorgen bereitet. Es sind aber vor allem die unmittelbaren Ansichten der Anleger in Bezug auf die aktuellen Begebenheiten, die die Finanzmärkte vorantreiben. Sollte die Datenlage auf eine zu schnelle Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hindeuten, kann das kurzfristig für Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen.

Auch die chinesische Kreditentwicklung mit großen privaten Kreditaufnahmen stellt im kommenden Jahr ein bedeutendes Risiko dar. Die Privatverschuldung im Verhältnis zum BIP ist in China innerhalb von 10 Jahren um 95 Prozentpunkte gestiegen - und historisch gesehen hat es in allen Schwellenländern, die einen Anstieg von 30 Prozentpunkten innerhalb eines Jahrzehnts erlebt haben, irgendeine Art von Bankenkrise gegeben.

Die Regierung ist sich des Risikos jedoch bewusst und hat erklärt, dass sie das Kreditwachstum drosseln und die finanzielle Stabilität mithilfe einer strengeren Regulierung unterstützen wird. Aber diese Gratwanderung kann schwierig sein, denn das Wachstum in den einzelnen Sektoren sollte nicht erstickt werden. Wenn allerdings nichts unternommen wird, können einige Banken im Laufe des Jahres 2018 eine Bankrotterklärung vermutlich nicht umgehen. Der Anteil an faulen Krediten steigt, und die staatlichen Unternehmen haben mit ihrer Profitabilität zu kämpfen und weisen zugleich die höchste Verschuldung auf.

Es muss jedoch betont werden, dass China das Problem selbst lösen kann. China ist nur moderat verschuldet, und das gibt dem Land den nötigen Spielraum für eine Rekapitalisierung der Banken. Sollten wir aber auch nur den kleinsten Hinweis darauf erhalten, dass das schiefgehen kann, könnten die Spekulationen und die Angst vor einer Krise eine größere Korrektur an den globalen Aktienmärkten auslösen.

Umweltverschmutzung kann Wachstum einen Dämpfer versetzen
Ein anderer wichtiger Reformpunkt, der kurzfristig dem Wirtschaftswachstum und der Profitabilität der Unternehmen einen Dämpfer versetzen kann, ist die Umweltverschmutzung. In seiner Rede auf dem Parteikongress bekräftigte Xi mit seiner Vision eines „Beautiful China“, dass die Umweltprobleme des Landes gelöst werden müssen. Obwohl Umweltreformen das Wachstum kurzfristig belasten können, sind sie doch unerlässlich. Das Gleiche gilt für die anhaltenden Reformen der staatseigenen Unternehmen, um sie auf die richtige Spur zu bringen und die Überkapazitäten in bestimmten Sektoren, wie z. B. Stahl, zu reduzieren.

Die Reformen werden die langfristige Produktivität und den Fortschritt in China voranbringen. Insgesamt beurteilen wir China daher auch langfristig positiv und haben chinesische Aktien im Verhältnis zu den übrigen Schwellenländern übergewichtet. Das ändert aber nichts daran, dass China auch das Potenzial hat, eine größere oder kleinere Korrektur an den Finanzmärkten auszulösen, wenn sich die Dinge 2018 nicht so entwickeln wie erwartet.

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