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Das sind die drei größten Herausforderungen für Banken

Die italienischen Banken, rekordniedrige Zinsen und der Vorschlag des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht werden Europas Bankensektor überschatten.

Die stark mitgenommenen europäischen Banken gehen einem weiteren Halbjahr mit sehr großer Unsicherheit entgegen. Insbesondere drei Begebenheiten werden den Sektor erwartungsgemäß belasten.

Es ist noch nicht lange her, dass die Europäische Bankenaufsicht den jüngsten Stresstest von 51 europäischen Banken veröffentlicht hat. Er hat gezeigt, dass die Banken insgesamt ihre Kapitalbereitschaft verbessert haben.

Trotz dieser Meldung sind Bankaktien nach dem Stresstest eingebrochen - eine Erinnerung an alle Anleger, dass der Stresstest die Probleme, mit denen die Banken konfrontiert werden, nicht löst. Der Referenzindex des europäischen Bankensektors, der SX7E, notiert aktuell um ca. 35% niedriger als zu Jahresbeginn und um ca. 47% niedriger als noch vor einem Jahr.

Nachfolgend erläutert Jesper Kronborg, Senior Portfolioberater für die Fonds von Danske Invest mit Verantwortung für den Bankensektor, die drei größten Herausforderungen für den europäischen Bankensektor.

1.Die italienischen Banken tanzen aus der Reihe
Die italienische Bank Banca Monte dei Paschi di Siena war - wie vom Aktienmarkt erwartet - beim europäischen Stresstest der ganz große Verlierer. Die Bank braucht neues Kapital und plant eine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Darüber hinaus wurde auch eine andere große italienische Bank, UniCredit, im Stresstest als eine Bank herausgestellt, die vermutlich mehr Kapital brauchen wird, da die Bank in einem Stresstest-Szenario einen deutlichen Rückgang ihrer harten Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1) erleben wird.

„Das übergeordnete Problem der italienischen Banken sind unter anderem faule Kredite und eine geringe Kapitalisierung. Insbesondere der Umgang mit den faulen Krediten und die Rekapitalisierung der Banca Monte dei Paschi di Siena sind eine der größten Herausforderungen für den Sektor", meint Jesper Kronborg.

Banca Monte dei Paschi di Siena muss ihre faulen Kredite loswerden und gleichzeitig neues Kapital beschaffen. Auch wenn es einen Ablaufplan gibt, der vernünftig aussieht, ist es immer noch äußerst ungewiss, ob er auch gelingt. Eine Lösung wird frühestens gegen Jahresende erwartet.

„Die meisten Banken haben beim Stresstest gut abgeschnitten, aber das löst das Problem in Italien nicht. Das Ergebnis des Stresstests dient als Input für den Kapitalbedarf der Banken, der Jahr für Jahr neu festgelegt wird, aber auf fundamentaler Ebene scheinen die Probleme in Italien genauso herausfordernd wie unter dem Test", sagt Jesper Kronborg.

Bis eine Lösung für Banca Monte dei Paschi di Siena gefunden wird, geht er davon aus, dass im Hinblick auf den italienischen Bankensektor eine große Unsicherheit bestehen wird, denn eine Lösung für den Umgang mit faulen Krediten könnte anderen italienischen Banken den Weg für die Handhabung der gleichen Probleme ebnen. Deshalb spielen eine Lösung für die faulen Kredite der Bank und eine erfolgreiche Kapitalbeschaffung eine große Rolle.
 
„Es wird noch dauern, bis wir das Ergebnis kennen - und das wird vermutlich den restlichen europäischen Bankensektor noch längere Zeit belasten", erklärt er.

2.Niedrige Zinsen tun weh
Die zweite große Herausforderung für Europas Banken ist der anhaltende Druck auf die Zinsmargen. Die lockere Geldpolitik der Zentralbanken und die niedrigen Zinsen schmälern die Gewinnmargen der Banken und belasten die Gewinne. Deshalb muss sich der Sektor weiterhin darauf konzentrieren, die Kosten zu senken. Insbesondere in Südeuropa und Großbritannien können weitere Rationalisierungsmaßnahmen in Form von Filialschließungen und Personalabbau ergriffen werden.

„Es ist eine gefährliche Mischung, dass die Banken mehr Kapital binden sollen und gleichzeitig weniger verdienen, da sich das letztendlich negativ auf die europäische Wirtschaft auswirken kann. Dieses Problem wird im zweiten Halbjahr nicht vom Tisch sein, und wenn der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im Herbst verlangt, dass mehr Kapital gebunden werden soll, während die Gewinne der Banken unter Druck stehen, ist eine Anlage in Bankaktien vermutlich nicht attraktiv, da das Risiko in keinem Verhältnis zur Rendite steht", führt Jesper Kronborg aus.

3.Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht rasselt mit dem Säbel
Das führt uns zur dritten Begebenheit, die laut Jesper Kronborg gegen Jahresende zu einer großen Unsicherheit im Bankensektor führen wird. Im September tagt der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der daraufhin gegen Jahresende mit Vorschlägen für neue Richtlinien im europäischen Bankensektor kommen wird.

„Die Branche befürchtet, dass der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht weitere Straffungsmaßnahmen empfehlen wird, die mehr Kapital bei den Banken erfordern und letztendlich die europäische Wirtschaft und die Wirtschaftlichkeit der Banken beeinträchtigen", erläutert Jesper Kronborg.

Er erklärt, dass es auch ungewiss ist, inwieweit Europas Politiker traditionsgemäß alle Vorschläge des Ausschusses umsetzen werden oder ob sie sich eher dagegen wehren und beschließen, dass dieses Mal nicht unbedingt alle Vorschläge ratifiziert werden müssen, um den gebeutelten Banken die Hand zu reichen.

Unabhängig davon, wofür sich die Politiker entscheiden, wird der europäische Bankensektor im zweiten Halbjahr unter Druck stehen.

„Solange die Unsicherheit in Bezug auf Italien, den Vorschlag des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht und die niedrigen Zinsen besteht, werden die Bewertungen in diesem Sektor niedrig bleiben", meint Jesper Kronborg.
 

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