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Fokus: Russland

Einseitige Berichterstattung überschattet Russlands Wirtschaftskraft

VON JOHAN WALDHE

Russland wird oft als unsicherer Kapitalmarkt dargestellt – mit einer Regierung, die sich nicht um die Durchführung von positiven Reformen bemüht. Dieses Bild stimmt aber nicht ganz mit der Wirklichkeit überein, meinen Danske Invests auf Russland spezialisierte Portfolioberater. Die Olympischen Spiele könnten dazu beitragen, dieses Bild zu verändern.

Zu den bedeutendsten Ereignissen im Sommer 2013 gehörten der Konflikt in Syrien und der Chemiewaffenangriff auf die eigene Bevölkerung. Die USA standen kurz vor einem Militäreinsatz, stattdessen trat aber Russland mit dem Vorschlag auf den Plan, dass das syrische Regime seine chemischen Waffen ausliefert. Dass Russland und sein hart durchgreifender Präsident Vladimir Putin in die Rolle als Vermittler geschlüpft sind, mag überraschen, hat Danske Invests Portfolioberaterin Olga Karakozova aber nicht wirklich verblüfft. Gemeinsam mit Måns Beckeman ist sie Mitglied im Beraterteam des Osteuropafonds von Danske Invest, und beide haben die Entwicklung im Land schon über einen längeren Zeitraum engmaschig verfolgt.

„In diesem Fall tritt Putin bewusst als Wohltäter auf, um seinem Land zu einem guten Ruf zu verhelfen. Es werden auch große Hoffnungen auf die Winterolympiade in Sotschi gesetzt. Dieses Sportereignis stellt eine gute Gelegenheit dar, Russlands positive Seiten hervorzuheben“, sagt sie.

Es ist auch allzu verständlich, dass Putin während der Olympischen Spiele in Sotschi in gutem Licht erscheinen will, da das Projekt bereits eine Rekordsumme von über 280 Milliarden Kronen verschlungen hat, die in neue Stadien und große Infrastrukturprojekte investiert werden. Die Öffentlichkeitsarbeit läuft bisher jedoch nicht so gut, vor allem nach der umfassenden negativen Berichterstattung (auch in der Sportwelt) in Verbindung mit der Einführung eines Gesetzes in Russland, das Homosexuellen-Propaganda verbietet.

Ein starker Wachstumsmarkt
Danske Invests Portfolioberater gehen davon aus, dass das negative politische Bild Russlands auch die Sicht auf die Wirtschaft des Landes überschattet. Dadurch wird es schwieriger, die wahren Verhältnisse zu erkennen – nicht zuletzt in einer Zeit, in der viele Länder mit hohen Staatsschulden und anderen finanziellen Problemen kämpfen.

„Aus makroökonomischer Sicht hat Russland eine extrem niedrige Staatsverschuldung von ca. 10% des BIP, einen ausgeglichenen Haushalt und große Währungsreserven. Von dem können viele andere Länder nur träumen“, sagt Måns Beckeman.

Russland ist es außerdem geglückt, das Inflationsniveau auf ca. 6% zu senken, und die Ölreserven des Landes sowie der freie floatende Rubel eröffnen dem Land große geldpolitische Möglichkeiten.

Inlandswachstum wird zunehmend wichtiger
Måns Beckeman vergleicht Russland mit China. Er weist darauf hin, dass diese beiden Länder viele Gemeinsamkeiten haben, auch aus positiver Sicht. Erstens besitzen beide Staaten eine stark wachsende Mittelklasse, die einen immer größeren Teil der Wirtschaft ausmacht. Eine steigende Inlandsnachfrage spielt in Zeiten mit einer unsicheren Auslandsnachfrage eine große Rolle. Unternehmen, die aus dieser Entwicklung Kapital schlagen können, können in den kommenden Jahren zu den Gewinnern zählen.

„Viele verbraucherorientierte Branchen wie z.B. Supermärkte sind immer noch nicht sonderlich verbreitet, insbesondere außerhalb der Großstädte. Es gibt deshalb enorme Chancen für Unternehmen, die den richtigen Zeitpunkt treffen und eine Vorstandsetage besitzen, die in der Lage ist, nachhaltig zu expandieren“, erläutert Måns Beckeman.

Dass Einzelhandelsunternehmen zu den interessantesten Anlagekandidaten in Russland gehören, ist für diejenigen, die Russland immer noch für ein kaltes, unfruchtbares Land halten, wo Öl, Gas und andere Rohstoffe die Wirtschaft beherrschen, vielleicht etwas ungewöhnlich.

„Dieser Teil Russlands ist auf keinen Fall verschwunden“, betont Olga Karakozova.

„Als Portfolioberaterin bin ich in sehr engem Unternehmenskontakt, und ich mache viele Besuche bei den Geschäftsleitungen. Manchmal fahre ich zu Minen nördlich des Polarkreises, wo es wirklich kalt ist. Ein Großteil der russischen Wirtschaft basiert nach wie vor auf dem Energiesektor. Aus Anlegersicht gibt es aber auch schon heute zahlreiche umdenkende Geschäftsführer, die bereit sind, an der schnellen Entwicklung z.B. im Transport-, Konsum- oder IT-Sektor zu partizipieren“, erklärt sie.

Olga Karakozova ist außerdem der Meinung, dass die Banken- und Immobilienbranche aus dem gleichen Grund interessant ist. In Russland beträgt die Privatverschuldung nur ein Bruchteil des Niveaus in Dänemark, und in gleichem Maße, wie die Mittelklasse wächst und sich bessere Wohnungen leisten kann, kann auch der Banken- und Immobiliensektor wachsen.

Eine zeitgemäßere Sicht auf die Aktionäre
Was ist mit der berüchtigten russischen Korruption und der Einmischung des Staates? Sind diese Faktoren in konsumorientierten Unternehmen auch so ausgeprägt?

„Die Probleme betreffen häufig die Corporate Governance. Und in vielen Fällen bemerken wir, dass in diesen etwas neueren Unternehmen eine andere Unternehmenskultur herrscht, die eher dänischen Standards ähnelt. Sie haben keine direkte Anbindung an den Staat, die Kommunikation mit dem Markt ist besser und man legt mehr Wert darauf, Aktionäre in Form von z.B. Dividendenausschüttungen zu belohnen“, führt Måns Beckeman aus.

„Traditionell werden russische Unternehmen mit einem großen Abschlag im Vergleich zu anderen Märkten gehandelt, aber dieser ist bei diesen Gesellschaften nicht ganz so hoch. Das ist etwas, was immer mehr in den Mittelpunkt rückt, und der russische Staat hat außerdem damit begonnen, den russischen Aktienmarkt zu fördern“, sagt er.

Dabei denkt Måns Beckeman unter anderem an die Einführung einer Ausschüttungspolitik für staatliche Unternehmen wie Gazprom. Das wird dazu beitragen, dass die durchschnittliche Dividendenausschüttung an der russischen Börse auf attraktive 4% pro Jahr steigt. Außerdem wird daran gearbeitet, russische Aktien, die auch an ausländischen Börsen notiert sind, im Heimatland liquider zu machen, und reiche Oligarchen wurden dazu gezwungen, ihr Kapital in Russland und nicht im Ausland zu investieren. Olga Karakozova betont darüber hinaus, dass es den russischen Behörden tatsächlich geglückt ist, die Korruption etwas einzudämmen, die sogar ganz oben im Parlament grassierte.

„Es sieht so aus, als ob Russland wirklich seine Bereitschaft zeigen will, das Investitionsklima im Land zu fördern. Auch wenn die Veränderungen in vielen Fällen nur in kleinen Schritten vorangehen, weist die Summe der Reformen auf eine positive Entwicklung hin“, erzählt sie.

Herausforderungen am Energiemarkt
Es wird oft davon gesprochen, dass Russlands Abhängigkeit vom Energiesektor die Wirtschaft des Landes bedroht. Sind das steigende Angebot an Erdgas in den USA und die niedrigen Strompreise in Europa nicht ein Unsicherheitsfaktor?

„Die russische Wirtschaft ist insgesamt immer noch sehr vom Energiesektor abhängig und die Bewertung einzelner Unternehmen wie z.B. Gazprom wird von dieser Entwicklung beeinträchtigt. Aber die russische Wirtschaft ist darauf ausgelegt, dass sie auch bei einem Ölpreis von ca. 70 Dollar pro Barrel funktionieren kann – und das ist deutlich weniger als heute“, erklärt Olga Karakozova.

„Außerdem gibt es neue Möglichkeiten am Erdgasmarkt, auch für russische Unternehmen. Früher verbrannte man häufig das Erdgas, das in Verbindung mit der Ölgewinnung zugänglich wurde, aber das wird so langsam eine neue Einkommensquelle für den Ölsektor“, sagt sie.

Andere Vorkommen, die Russland auszuschöpfen beginnt, sind die enormen Mengen an sogenanntem unkonventionellem Öl, die es im Land gibt. Das größte Feld ist vermutlich Bazhenov in Sibirien, und Analysten gehen davon aus, dass das eines der weltweit größten Vorkommen an Schieferöl ist.

Danske Invests Portfolioberater sehen die Herausforderungen am Energiemarkt auch als Chance und Motivation für die russische Regierung, neue Ideen auszuprobieren.

„Man merkt, dass sich Putin eine breiter aufgestellte Wirtschaft wünscht, und das kann eine Möglichkeit sein. Die oben beschriebenen Kapitalmarktreformen können sicherlich zu einem gewissen Grad mit dem Wunsch zusammenhängen, die Abhängigkeit vom Energiesektor zu verringern“, meint Måns Beckeman.

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