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Geben die USA dem Aktienaufschwung neue Nahrung?

Die amerikanische Berichtssaison ist ein wichtiger Test, ob der Aktienmarkt seinen Aufwärtstrend fortsetzen kann. Chefstrategin Tine Choi erläutert, was auf dem Spiel steht.

Die globalen Aktienmärkte sind gut in das neue Jahr gestartet, und die rekordhohen Aktienkurse basieren auf der starken Überzeugung, dass die Unternehmensgewinne weiterhin steigen werden. Die amerikanische Berichtssaison, die vor kurzem begonnen hat, ist daher für die Finanzmärkte die Stunde der Wahrheit.
 
„Für weitere Kursanstiege an den Aktienmärkten müssen die Unternehmen bessere Zahlen liefern“, erklärt Tine Choi, Chefstrategin bei Danske Bank.
 
Warum sind die Gewinne der Unternehmen so wichtig?
„Momentan profitieren wir von einem globalen Konjunkturaufschwung, aber aus Anlegersicht entsteht vereinfacht gesagt nur Wert, wenn sich das auch in höheren Unternehmensgewinnen niederschlägt. Letzten Endes sind es steigende Gewinne, die höhere Aktienkurse rechtfertigen. Derzeit sind insbesondere amerikanische Aktien historisch gesehen recht hoch bewertet, und in den aktuellen Aktienkursen ist somit die Erwartung eingepreist, dass die Unternehmensgewinne deutlich zulegen. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, wird das den Aktienmarkt negativ beeinflussen.“
 
Wie hoch sind die Gewinnerwartungen des Marktes?
„Die Mehrheit der Analysten ist sich einig, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen im vierten Quartal 2017 im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres 11 Prozent erreichen wird. Im Verhältnis zu einem Wachstum von 7 Prozent im dritten Quartal 2017, in dem viele Unternehmen von den Orkanen in den USA beeinträchtigt wurden, wäre das eine Beschleunigung. Erfüllt das vierte Quartal die Erwartungen, entspräche das einem Gewinnwachstum von 9,6 Prozent für das gesamte Jahr 2017 - und das wäre in dem Fall das höchste Gewinnwachstum seit 2011.“
 
Was ergibt sich aus den vorläufigen Unternehmensergebnissen in den USA?
„Bislang hat nur eine begrenzte Anzahl an US-Unternehmen ihre Ergebnisse bekannt gegeben, aber vorläufig haben die meisten die Erwartungen übertroffen. Ein anhaltender Strom starker amerikanischer Zahlen, der globale Aufschwung und steigende Ölpreise deuten im Allgemeinen darauf hin, dass die hohen Erwartungen zumindest erfüllt werden.“
 
Bestätigen die vorläufigen Unternehmensergebnisse Ihre positive Sicht auf die Aktienmärkte?
„Ja, das tun sie. Wir haben deshalb weiterhin eine Übergewichtung von 10 Prozent in Aktien, von denen wir 2018 eine höhere Rendite erwarten als von Anleihen. Dabei konzentrieren wir uns auf Aktien aus Europa und den USA.“
 
Worauf achten Sie im Hinblick auf die Entwicklung des Aktienmarktes im Jahr 2018 bei den Unternehmensergebnissen noch?
„Die Unternehmensgewinne stehen natürlich immer im Mittelpunkt, aber es ist mindestens genauso wichtig, die Erwartungen der Unternehmen für 2018 im Blick zu haben. Wir halten beispielsweise Ausschau nach Meldungen über die erwarteten Auswirkungen der Steuerreform auf die Gewinne.
 
Zugleich ist das Umsatzwachstum der Unternehmen von großer Bedeutung - und in meinen Augen sogar wichtiger als die Gewinne, die vor allem bei Banken und IT-Unternehmen von den Folgen der Steuerreformen beeinflusst werden. Das liegt unter anderem daran, dass viele Unternehmen latente Steuerposten haben, z. B. aufgrund früherer Verluste, die mit künftigen Steuerzahlungen verrechnet werden können. Der Wert dieser Posten wird aufgrund des nun niedrigeren Steuersatzes von 21 Prozent jedoch sinken. Das bedeutet, dass die Ergebnisse einiger Unternehmen vermutlich von Einmalabschreibungen nach unten gezogen werden können.
 
Wir gehen jedoch davon aus, dass die Anleger diesbezüglich Nachsicht walten lassen und den Erwartungen der Unternehmen für 2018 sowie dem Umsatz eine größere Bedeutung zumessen werden. Erfüllen sich die Erwartungen, wäre das zusätzliches Wasser auf den Mühlen des Bullenmarktes.“
 
Wie sieht es auf Branchenebene aus?
„Mit Blick auf die einzelnen Sektoren werden Energie, Rohstoffe und IT vermutlich die besten Ergebnisse erzielen, egal, ob wir das Gesamtjahr 2017 betrachten oder nur das vierte Quartal. Man darf allerdings nicht außer Acht lassen, dass der Energiesektor 2016 aufgrund des starken Ölpreiseinbruchs in den Jahren 2015 und 2016 außergewöhnlich niedrige Gewinne erzielt hat. Gleichzeitig wird er vom steigenden Ölpreis der letzten Monate zusätzlichen Rückenwind erhalten. Rohstoffe und IT profitieren besonders stark vom globalen Aufschwung, da die Investitionsaktivitäten 2017 zugenommen haben.
 
Darüber hinaus sind alle drei Sektoren rein umsatzmäßig auch die Branchen mit der größten globalen Ausrichtung und haben somit  von der Dollarschwäche im letzten Jahr Rückenwind gegenüber der Konkurrenz erhalten.“

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