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Technophobie erhält Rückenwind - für einen Moment

Für Anleger in IT-Aktien war 2018 bisher ein turbulentes Jahr. Der Jahresauftakt verlief vielversprechend, doch seither sind viele IT-Aktien eingebrochen, nachdem der Facebook-Skandal ins Rollen kam.

Für Anleger in IT-Aktien war 2018 bisher ein turbulentes Jahr. Der Jahresauftakt verlief vielversprechend, doch seither sind viele IT-Aktien eingebrochen, nachdem der Facebook-Skandal ins Rollen kam. Es zeigte sich, dass die Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern während des US-amerikanischen Wahlkampfs im Jahr 2016 missbraucht wurden. Das schürte Ängste vor einer strengeren Regulierung, die die Gewinne von Technologieunternehmen beeinträchtigen kann. Eine neue Studie der Investmentbank Bank of America Merrill Lynch lässt erkennen, dass 64 Prozent der institutionellen Anleger derzeit eine strengere Gesetzgebung als größte Gefahr für IT-Aktien ansehen.

Diese Angst erhielt neuerliche Nahrung, als der Facebook-Skandal der Technophobie Rückenwind gab. Technophobie ist die Angst davor, dass neue und komplexere Technologien unserem bestehenden Lebensstil schaden und ihn bedrohen können - und den Facebook-Skandal haben Technologiegegner zum Anlass genommen für die Behauptung, dass die Illusion von einem Privatleben im Internet endgültig geplatzt ist und dass vielen Facebook-Nutzern überhaupt nicht klar war, wovon sie ein Teil waren.

In gewisser Weise haben sie nicht unrecht. Es ist jetzt so deutlich wie nie zuvor geworden, wie leicht die Daten von Nutzern von Facebook, Google und anderen Webseiten und Apps auf kommerzielle oder politische Weise verwendet - oder missbraucht - werden können. Und diese Debatte wird vermutlich zu neuen Verbraucherschutzbestimmungen führen. Das ist indes nicht überraschend - und es ist auch nicht unbedingt schlecht. Neue Bestimmungen und Gesetze sind vielmehr ein ganz natürlicher Teil des Prozesses, wenn neue Technologien die Gesellschaft erobern.

Denken Sie nur an das Automobil, wie es zu seiner Zeit noch genannt wurde. Als mit dem nun verblichenen Oldsmobile 1901 das erste in Großserie hergestellte Benzinauto in den USA auf den Markt kam, war es nicht möglich, über eine rote Ampel zu fahren, da die erste elektrische Ampel erst 1912 in Salt Lake City eingeführt wurde. Auch die Vorschriften für Sicherheitsgurte und Einfädelspuren auf Autobahnen gehörten einer fernen Zukunft an. Doch als das Auto immer verbreiteter wurde, führten wir Verkehrsregeln, Sicherheitsauflagen und den Führerschein ein. Gleichzeitig lernten wir mehr über die negativen Auswirkungen von Autos auf Umwelt und Klima, was unter anderem zu der Auflage führte, Blei aus Benzin zu entfernen.

Gleichermaßen ist es sowohl natürlich als auch absehbar, dass die Gesetzgebung fortlaufend angepasst wird, wenn neue Technologien ein immer größerer Teil unseres Alltags werden. Die Digitalisierung bietet uns großartige Möglichkeiten und Vorteile, doch von Zeit zu Zeit muss man der Technologie unter die Arme greifen, damit sie sich den Normen, die in unserer Gesellschaft gelten, anpasst. Technologie kennt nur die Grenzen, die wir selbst definieren.

Die Angst der Anleger vor Regulierung ist trotzdem rational - insbesondere, wenn die Technologiegegner so viel Lärm machen, dass die Politiker zu einer Überregulierung neigen. Gleichzeitig begrenzt sich eine strengere Regulierung nicht unbedingt nur auf strengere Vorschriften für die Erhebung und Verwendung von Nutzerdaten, sondern kann sich möglicherweise auch in einer Gesetzgebung für den monopolähnlichen Status einiger Technologiekonzerne oder ihre Möglichkeiten für grenzübergreifende Steueroptimierungen äußern.

Anders ausgedrückt kann eine strengere Gesetzgebung zweifelsohne das Geschäftsmodell und die Gewinne ausgewählter Technologieunternehmen beeinträchtigen, doch aus einem größeren Blickwinkel kann die Zukunft nicht zurückgedreht werden. Selbst die hartnäckigsten Technophoben haben es nicht geschafft, die Verbreitung des Autos zu verhindern und wieder Pferdekutschen einzuführen. Und genauso wenig können sie die flutartige Digitalisierungswelle in unserer Gesellschaft stoppen. Die guten alten Zeiten sind vorüber. Jetzt stehen die guten neuen Zeiten bevor.


Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte kontaktieren Sie stets einen Finanzberater, wenn Sie eine Investition in Erwägung ziehen, und klären Sie ab, ob eine bestimmte Anlage zu Ihrem Anlageprofil passt.
 

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