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Warten Sie nicht zu lange mit einem Einstieg

Nach dem britischen „Nein“ zur EU steht uns ein volatiler Sommer an den Aktienmärkten bevor, sagt Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Invest, sicher.

„In nächster Zeit wird es viele Unsicherheitsmomente für die europäische Wirtschaft geben. Dadurch entsteht für Anleger eine Art Vakuum. Viele werden in dieser Zeit von Aktienkäufen absehen, und selbst unbedeutendere Nachrichten können dazu führen, dass erneut Gelder vom Markt abgezogen werden", meint Lars Skovgaard Andersen. Er rechnet damit, dass die britische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte diesen Jahres in eine Rezession abrutscht und sich auch in der Eurozone eine leichte Rezession breitmacht.

„Wir wissen, dass die Zentralbanken daran arbeiten werden, dieser Situation entgegenzuwirken. Aber solange wir die genauen Pläne nicht kennen, wird das Verhalten der Notenbanken in nächster Zeit ebenfalls zu Schwankungen an den Finanzmärkten führen", erklärt der Investmentstratege.

Übergewichtung in defensive Sektoren
Privatanlegern stehen also schwere Entscheidungen bevor – und deshalb sollten sie zwei wichtige Fragen für sich klären: Wie hoch ist der Anteil des Vermögens, den sie in Aktien anlegen möchten? Und welche Sektoren sollten sie übergewichten und welche meiden?

„Insgesamt sollte der Investor abwägen, welches Risiko er in einer sehr großen Unsicherheitsphase wie dieser mit einem Aktienkauf einzugehen bereit ist. Wenn er diese Entscheidung getroffen hat, sollte er sein Portfolio im nächsten Schritt auf die Sektoren ausrichten, die am ehesten den breiten Markt übertreffen werden."

Seiner Ansicht nach werden defensivere Branchen in nächster Zeit im Vergleich zum Markt besser abschneiden. Dazu gehören Konsumgütertitel, Pharma- und Telekommunikationswerte und Dividendentitel. Allerdings schränkt er ein: „Dividendentitel sind nicht gleich Dividendentitel. Es sollten vor allem gut funktionierende Unternehmen mit robusten Gewinnen aus den zuvor erwähnten Branchen sein", erläutert Skovgaard Andersen.

Europäische Banken unter Druck
Im Gegensatz dazu geht er davon aus, dass zyklischere Sektoren möglicherweise stark unter Druck geraten werden. Insbesondere europäische Banken könnten seiner Meinung nach Gegenwind bekommen.

„Nach dem britischen Referendum und der daraus resultierenden Unruhe könnte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch sehr lange niedrig halten. Das sind schlechte Nachrichten für Banken, deren Finanzierungskosten für Einlagen bei den Zentralbanken mit niedrigen Zinsen – insbesondere den aktuellen Negativzinsen – steigen", erklärt Skovgaard Andersen und fügt hinzu:

„Zudem wird der gesamte Finanzsektor durch die Unsicherheit unter Druck geraten, die jetzt mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU entstanden ist. Als Folge des Brexits werden möglicherweise die Investitionstätigkeit zurückgehen und dadurch die Gewinne der Banken schrumpfen."

Er weist darauf hin, dass europäische Banken – vor allem aus Großbritannien – nach der Verkündigung des Brexits am Freitag heftige Kursverluste hinnehmen mussten. Am Montag haben viele internationale Finanzinstitute außerdem das Kursziel für zahlreiche europäische Banken deutlich nach unten korrigiert. Die US-amerikanischen Banken bleiben zwar nicht verschont, aber das große Augenmerk liegt auf dem europäischen Finanzsektor.

Keine Aussicht auf eine deutliche Erholung
Der Investmentstratege von Danske Invest geht nicht davon aus, dass sich die Aktienmärkte im nächsten Monat deutlich erholen werden. „Es wird höchstens kleinere kurzfristige Kurssprünge geben, bei denen einzelne Unternehmen vielleicht an einzelnen Tagen zulegen“, sagt Skovgaard Andersen.

Aber der übergeordnete Markttrend werde nach wie vor von Unsicherheit geprägt sein. Die Anleger werden bei einem Kursanstieg schnell Gewinne mitnehmen und so eine weitreichendere Erholung sofort ersticken.

„Wenn die Anleger kein Licht am Horizont sehen und es keine Aussichten auf Besserung und Klarheit gibt, rechne ich nicht damit, dass die enorm hohe Summe an Barmitteln, die momentan an der Seitenlinie geparkt ist, in nächster Zeit wieder am Aktienmarkt investiert wird."

Der Experte weist darauf hin, dass die Anleger in den letzten Monaten so viel Geld vom Aktienmarkt abgezogen haben, dass die Cash-Bestände auf dem höchsten Niveau seit der Schuldenkrise liegen.

Einzeltitelauswahl statt Talsohle
Der Investmentstratege warnt daher auch vor dem Versuch, die Talsohle am Markt abzupassen. Sein Tipp lautet, eher Einzeltitel zu kaufen, deren Bewertungen gesunken sind.

„Man darf nicht davon ausgehen, dass man eines Tages aufwachen wird und genau auf der Talsohle kaufen kann. Diese wird vermutlich an dem Tag erreicht werden, an dem man glaubt, dass es an den Märkten nicht schlimmer kommen könnte“, sagt Lars Skovgaard Andersen.

„Auf der anderen Seite bin ich der Ansicht, dass sich über die Sommermonate richtig gute Kaufgelegenheiten ergeben werden."

Wenn es in den Branchen, die sich Investoren ausgesucht haben, einige gute, solide Aktien gibt, deren Bewertungen auf ein attraktives Niveau gesunken sind, können durchaus gute Kaufchancen entstehen. „Die Möglichkeit für eine gute selektive Einzeltitelauswahl über die Sommermonate ist gegeben."
 

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